![]()
von Andrej Bill ver.di Gewerkschaftssekretär
Beton, Bilder, Beifall – aber wo bleibt der Arbeitsschutz? Berichte über Temperaturen von mehr als 26° Nachts in den Ruheräumen erschweren die Nachtruhe!
Beschäftigte der neuen Feuerwache beklagen unausgereiften Arbeitsschutz!
Die neue Hauptfeuerwache am Flughafen Düsseldorf ist öffentlich als moderner, architektonisch markanter und sicherheitstechnisch bedeutender Neubau präsentiert worden. Das Gebäude umfasst rund 14.000 Quadratmeter, kostete mehr als 65 Millionen Euro und soll rund 200 Einsatzkräften moderne Arbeitsbedingungen bieten.
Es darf nicht nur über Einweihungsbilder mit dem Bürgermeister gesprochen werden. Eine Feuerwache ist kein Ausstellungsstück, sondern Arbeitsplatz!
Eine Feuerwache ist kein Ausstellungsstück. Sie ist Arbeitsplatz, Bereitschaftsort, Rückzugsraum, Einsatzbasis und Schutzraum für Beschäftigte, die im Ernstfall innerhalb kürzester Zeit funktionieren müssen.
Aus der Belegschaft erreichen uns Hinweise, dass dieser Anspruch derzeit nicht überall eingelöst wird. Genannt werden Probleme bei der Belüftung, beim Warmwasser, bei Temperaturen und beim Raumklima. Solche Punkte sind keine Nebensächlichkeiten. Wer in 24-Stunden-Schichten arbeitet, wer nach Einsätzen duschen, sich regenerieren, ruhen, essen und wieder einsatzbereit sein muss, ist auf funktionierende Sanitär-, Aufenthalts- und Bereitschaftsbereiche angewiesen. Wenn Luftqualität, Temperatur oder Warmwasserversorgung nicht stimmen, betrifft das unmittelbar Gesundheit, Erholung und Einsatzfähigkeit.
Nach der Arbeitsstättenverordnung ist dafür zu sorgen, dass Betriebe und Einrichtungen so eingerichtet und betrieben werden, dass von ihnen keine Gefährdung für die Gesundheit der Beschäftigten ausgeht. Für Raumtemperaturen wird diese Vorgabe in der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5 konkretisiert.
Uns wurde aus der Belegschaft berichtet, dass Temperaturen von über 26° Grad Celsius Nachts(!) in den Ruheräumen herrschen. Dabei ist ein Fenster zu öffnen durch die moderne Architektur unmöglich! Genauso unmöglich, wie eine effektive Nachtruhe für viele Kollegen bei diesen Temperaturen. Hinzu kommen, dass anhaltend eine hohe Luftfeuchtigkeit wahrgenommen wird, insbesondere in den Sanitärräumen. Zudem gäbe es seit 1 Woche kein Warmwasser mehr.
Ein Neubau, der als eine der modernsten Feuerwachen Europas beschrieben wird, muss erst recht an modernen Arbeitsschutzmaßstäben gemessen werden
Besonders bei einer Flughafenfeuerwehr wiegen Arbeitsschutzmängel schwer. Die Beschäftigten leisten Schichtdienst, halten sich über lange Zeiträume im Gebäude auf und müssen im Alarmfall sofort hoch belastbar sein. Räume, die als Ruhe-, Bereitschafts-, Sanitär- oder Aufenthaltsbereiche dienen, dürfen nicht nur auf Plänen gut aussehen. Sie müssen im Betrieb funktionieren.
Wir sagen deshalb klar: Wenn es Probleme bei Belüftung, Warmwasser, Temperaturen oder sonstigen raumklimatischen Bedingungen gibt, müssen diese unverzüglich erfasst, bewertet und abgestellt werden. Dafür braucht es keine Imagekampagne, sondern Messungen, Transparenz und verbindliche Maßnahmen. Es muss klar sein und der Belegschaft erklärt werden, wer welche Mängel bis wann behebt und wie überprüft wird, ob die Maßnahmen wirken.
Eine Feuerwache ist erst dann wirklich modern, wenn sie nicht nur schnelle Einsätze ermöglicht, sondern auch die Menschen schützt, die diese Einsätze leisten!
Das ist auch eine Frage des Respekts! Die Kolleginnen und Kollegen der Flughafenfeuerwehr tragen Verantwortung für Reisende, Beschäftigte, Crews, Einsatzkräfte und den gesamten Flughafenbetrieb. Wer von ihnen höchste Einsatzbereitschaft erwartet, muss ihnen auch Arbeitsbedingungen bieten, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit schützen. Arbeitsschutz ist kein nachträgliches Extra und kein Schönheitsfehler in einem ansonsten gelungenen Bauprojekt. Arbeitsschutz ist Voraussetzung dafür, dass ein solches Projekt überhaupt als gelungen bezeichnet werden kann.
Unsere Forderung ist daher einfach: Der Flughafen Düsseldorf muss die Hinweise aus der Belegschaft ernst nehmen, die tatsächlichen Raum- und Arbeitsbedingungen offen prüfen und etwaige Mängel kurzfristig unter oberster Priorität beseitigen. Bis dahin sollte niemand so tun, als sei mit der Einweihung alles erledigt.
